Markus Becker
"Ich bin ein Anderer"
Identitätswechsel im Film

1. Aufl. 2006. 312 S. Zahlreiche Abbildungen.
DIN A5. Broschur
EURO 24,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-175-3
Filmstudien. Herausgegeben von Thomas Koebner. Band 49


Identität als Summe aller persönlichen Merkmale macht den Menschen einzigartig, unverwechselbar und vom Anderen unterscheidbar. Wann immer sich ein Charakter entschließt, in die Rolle einer abweichenden Figur zu schlüpfen, bedeutet dies für einen Schauspieler, zwei Personen zu spielen, die sich zudem oft in verschiedenen Welten bewegen. Die Arbeit thematisiert die Frage, wie Charaktere inszeniert werden, die in eine andere Identität überwechseln und fragt nach den Gründen, die dahinter stecken.
Dabei geht es nicht um die Darstellung des Krankheitsbildes der "Multiplen Persönlichkeit" und auch nicht um den vordergründigen Prozess des "Sich Verkleidens". Vielmehr geht es um einen Akt der "inneren Verwandlung" des Protagonisten, die allerdings oftmals auch eine äußere Verkleidung mit sich bringen kann.
Die Gründe für die Verwandlung in einen Anderen mögen zahlreich sein. Allen gemein ist die Tatsache, dass sie aus einer Notlage heraus geboren sind. Letztlich werden alle Protagonisten mit Situationen konfrontiert, die ihr "ursprüngliches" Ich offenkundig nicht mehr zu meistern versteht. Auslöser mögen dabei im Bereich beruflicher Selbstverwirklichung, der Überwindung eigener Schwächen und vermeintlicher Makel sein, aber auch Nichterwiderung von Zuneigung oder die Verbesserung des gesellschaftlichen Status.
Um den Wechsel hin zu einem anderen Charakter für den Zuschauer nachvollziehbar zu machen, ist eine starke Identifikation des Zuschauers mit der Figur nötig, in dem beispielsweise dessen Motive deutlich und vor allem nachvollziehbar sind, um so die grundlegende Annahme, selbst stets auf der "guten" Seite zu stehen, auf die Figur übertragen zu können, um deren oftmals in Kombination mit der neuen Identität einhergehenden Taten am Rande der Legalität auf diese Art für sich selbst zu legitimieren. Am konsequentesten vollzogen ist dies immer dann, wenn dem Protagonisten das Wissen um sein altes "Ich" und von diesem begangene Taten fehlt.
Eine Besserung der Situation scheint jedoch nur von kurzer Dauer zu sein. Unausweichlich ist die Tatsache, dass der Wechsel keine langfristige Erlösung bringt, sondern der Erfolg zumeist verwehrt bleibt. Gerade viele der Charaktere, die nicht wissen, ein Anderer zu sein, werden letztlich geradezu gewaltsam in ihre alte Identität zurückgedrängt. Was bleibt, sind oft Schmerz und Orientierungslosigkeit. Mit dem Wissen ob der eigenen Vergangenheit wird hierbei ein Weiterleben gleichsam mit einer doppelten Identität unmöglich.
Dabei fällt auf, dass es zumeist Männer sind, die den Wechsel hin zu einem Anderen unternehmen oder aber es zumindest stark an das Thema Männlichkeit gekoppelt ist. Entschließt sich die Figur des "Ur-Ichs", dauerhaft in seine alte Identität zurückzukehren, so muss der Prozess der Rückverwandlung deutlich und für alle erkennbar inszeniert sein, so dass ein erneutes Verwandeln gänzlich unmöglich gemacht wird.
Ein gleichberechtigtes Nebeneinander von altem und neuem "Ich" kann es nicht geben. Die ursprüngliche Identität droht dabei immer mehr in den Hintergrund gedrängt zu werden oder gar völlig zu verblassen.
Betrachtet wird in der vorliegenden Arbeit die Gruppe all derer, die wissentlich eine neue Identität anstreben, exemplarisch anhand der Filme "The Talented Mr. Ripley", "Gattaca" und "Dark Passage". Zur Darstellung der Thematik des Gender Crossing werden "Tootsie" und "Boys Don't Cry" herangezogen, während die Filme "Batman", "Batman Returns" und "Spider-Man" die so genannten Superhelden beleuchten. Letztlich werden Personen, denen das Wissen fehlt, in Wahrheit ein gänzlich Anderer zu sein, am Beispiel der Filme "Dark City", "Total Recall" und "Angel Heart" thematisiert.

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