Vergrößern

Stephan Grätzel
Utopie und Ekstase
Vernunftoffenheit in den Humanwissenschaften

1. Aufl. 1997. 164 S. DIN A5. Broschur
EURO 14,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-928624-63-3
Philosophie im Kontext. Interdisziplinäre Studien.
Herausgegeben v. Stephan Grätzel. Band 1


Nietzsches Wort vom "Heimweh ohne Heim" macht in einer zeitlos gültigen Art die utopische und ekstatische Verfassung des Menschen und ihre Ambivalenz deutlich. Alle Versuche, der Heimatlosigkeit auf lebensweltlicher oder geistiger Ebene doch eine Heimat anzubieten, erscheinen vor diesem Hintergrund als fragwürdig und ideologieverdächtig. Im Gegensatz zu Blochs "Prinzip Hoffnung" bleibt Utopie immer utopisch und Ekstase immer offen. Damit ist keineswegs eine "Hölle" der Existenz eröffnet, sondern vielmehr die Tiefe und das Geheimnis des Lebens und Seins, vor dem im Gegenteil jede "konkrete Utopie" zur Hölle und zum nackten Grauen wird.
Diese Grundtatsache der utopischen und ekstatischen Existenz wird vor allem anhand von Texten aus der Psychiatrie und medizinischen Anthropologie nachgewiesen. Gemeinsam mit Texten der philosophischen Anthropologie, besonders bei Gehlen, zeigen sie die Ortlosigkeit zwar als Gefahr, aber auch als Bedingung der Existenz. In der Ausrichtung auf das Ungelebte und Utopische wird das Leben vom Einzelnen sowohl zum Heil als auch zum Unheil gestaltet. Hier verbinden sich die anthropologischen Überlegungen mit Aussagen der Mystik, der Religionsphilosophie und Existenzphilosophie.

Zum Autor

Stephan Grätzel ist auch Mitherausgeber des Gardez!-Bandes
"Spiritualität im Europa des Mittelalters"