Hans-Joachim Heinz
NSDAP und Verwaltung in der Pfalz
Allgemeine innere Verwaltung und kommunale Selbstverwaltung im Spannungsfeld nationalsozialistischer Herrschaftspraxis 1933 - 1939.
Ein Beitrag zur zeitgeschichtlichen Landeskunde

1. Aufl. 1994. 604 S. DIN A5. Broschur
EURO 55,00. ISBN 3-928624-19-9
Geschichte im Kontext. Hrsg. v. Armin Heinen u. Hubertus Seibert. Band 1

Titel ist vergriffen

Die politische, wirtschaftliche und territoriale Umbruchsituation nach dem Ersten Weltkrieg hatte für die Pfalz weitreichende Folgen. Die NSDAP profitierte hier recht früh vom Versagen der etablierten Weimarer Parteien. Sie entwickelte sich unter Josef Bürckel, relativ eigenständig, zu einer modernen Massenpartei mit deutlicher Tendenz zur Erfassung breitester Wählerschichten. Den Zug zur Unabhängigkeit der Pfalz von bayerischer Verwaltungsführung verfolgte der pfälzische Gauleiter nach der Machtergreifung in unterschiedlichen Vorstößen beharrlich. Sein ehrgeiziges Streben war u.a. auf die Schaffung eines Reichsgaues gerichtet, der zunächst die Pfalz, das Saargebiet, im Krieg dann auch Lothringen umfassen sollte. Das Projekt wurde nicht realisiert, weil Hitler die Zustimmung verweigerte. Der beachtliche Aufstieg des pfälzischen Gauleiters in der NS-Oligarchie ließ Bürckel aber wenigstens de facto-Unabhängigkeit erreichen.
Eigenständigkeit verfolgte Bürckel auch auf wirtschaftlichem, sozial- und arbeitsmarktpolitischem Gebiet. Die "Volkssoziale Selbsthilfe" machte sich die technische Effektivität der unteren staatlichen und kommunalen Administration zunutze, um Bürckels gauinterne "sozialistische" Eskapaden ins Werk zu setzen. Durch die reichsweite Schaffung der Winterhilfe und des Reichsarbeitsdienstes entstand jedoch für den pfälzischen Parteipotentaten eine erdrückende Rivalität, die seine gaubezogenen Eigeninitiativen nach heftiger Gegenwehr schließlich ins Leere laufen ließen. Am stärksten belastete der nationalsozialistische Umgestaltungswille wie anderswo auch die Gemeinden der Pfalz. Der Machtumschwung in Dörfern und Städten wirkte sich hier zuerst und vor allem auf personalpolitischem Gebiet aus. Die personellen Übergriffe und administrativen Eingriffe von Parteistellen führten über eine empfindliche Ausdünnung des geschulten Personals bis hin zu einem permanenten Verwaltungsnotstand. Das Prinzip der gemeindlichen Selbstverwaltung, im ungelösten Verhältnis von Partei und Staat zerrieben, musste unter den Bedingungen eines unter Einsatz aller Mittel geführten Krieges am Ende gänzlich auf der Strecke bleiben.