Oliver Keutzer
Eine(r) für Alle
Selbstopfer und Sündenböcke im Film

1. Aufl. 2006. 292 S. Zahlreiche Abbildungen. DIN A5. Broschur
EURO 24,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-167-8
Filmstudien. Hrsg. von Thomas Koebner. Band 48


Als archaische Vermittlungsinstanz zwischen dem "Heiligen" und dem "Profanen" scheint die Institution des Opfers in einer säkularisierten Moderne nachhaltig diskreditiert. Doch in anthropologischer Perspektive, als Gewaltverhältnis zwischen Individuum und Gruppe, erweisen sich kontroverse Opferkonstellationen als prominentes Sujet der Filmgeschichte. Dabei haben sich unterschiedliche Inszenierungstechniken entwickelt, die z.T. christliche Ikonographien bedienen, im besonderen aber genuin filmische Techniken der Montage, Mise-en-scène, Farb- und Lichtgestaltung integrieren, um den Komplex Opfer - Opferung audiovisuell erfahrbar zu machen.
In der Adaption des bislang hauptsächlich ethnologisch-religionswissenschaftlich verwendeten Terminus Opfer verfolgt diese Studie eine Doppelstrategie: Einerseits zielt sie in filmhistorischer Perspektive auf die "dichte Beschreibung" (Clifford Geertz) und Deutung heterogener Opferinszenierungen - zum Untersuchungskorpus gehören u.a. M - MÖRDER UNTER UNS, THE WICKER MAN, ALL THAT HEAVEN ALLOWS, OFFRET, METROPOLIS, BREAKING THE WAVES, THE MATRIX und THE LAST TEMPTATION OF CHRIST. Darüber hinaus steht sie aber auch im Kontext kulturtheoretischer Diskurse über Bedeutung und mediale Darstellung von Gewalt. So greift sie u.a. die Opfertheorie des französischen Kulturanthropologen René Girard auf, der das Opfer als kollektiven Schuldübertragungsprozess deutet, über den sich archaische ebenso wie moderne Gesellschaften gegen ein Surrogat, einen Sündenbock, solidarisieren und kathartisch regenerieren. Die antagonistische Perspektive - selbstvermindernde, autoaggressive Verzichtsleistungen Einzelner - wird durch die kritische Historisierung der Theorie Girards entwickelt und in einer Genealogie des Konzepts Selbstopfer fixiert. Einem hermeneutischen Erkenntnisansatz verpflichtet, vereint diese Studie differenzierte Detailbeobachtungen und übergreifende Kontextdarstellungen in einem interdisziplinären Dialog, in dem konkrete Analyse und abstrakte Theorie aufeinander antworten und füreinander fruchtbar werden.
Ergänzt wird der Band durch eine ausführliche Biblio- und Filmographie.

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