Bernd Kiefer / Marcus Stiglegger (Hrsg.)
Grenzsituationen spielen
Schauspielkunst im Film: Fünftes Symposium

1. Aufl. 2005. 228 S. DIN A5. Broschur
EURO 19,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-083-1
Filmstudien. Herausgegeben v. Thomas Koebner. Band 30


"In jeder Grenzsituation wird mir gleichsam der Boden unter den Füßen weggezogen. Ich kann das Sein als Dasein nicht greifen in bestehender Festigkeit."
So definiert der Philosoph Karl Jaspers die Grenzsituation als Signatur einer jeden menschlichen Existenz. Es geht in dem vorliegenden Band um die Analyse der Darstellung von existenziellen Momenten in der Schauspielkunst im Film - und um die Frage, ob gerade im Spiel von Grenzsituationen eine Verschmelzung von Leben und Film sich ereignet oder überhaupt möglich ist. Radikaler formuliert: Können Filme solche Grenzsituationen dem Rezipienten erfahrbar machen?
Ohne Zweifel bedienen sich Filme aller Genres dramaturgisch und ästhetisch solcher Grenzsituationen. Ihre Darstellung durch Schauspieler ist dabei häufig sozial motiviert: eine Grenzsituation entsteht aus bestimmten Gründen. Soziale Determinanten lassen eine Liebe scheitern, Kriege konfrontieren den Menschen mit unermesslichem Grauen, eine Krankheit kann eine soziale Existenz vernichten. Wenn die Krisis jedoch ihren Höhepunkt erreicht und den ganzen Körper erfasst, dann scheint vom Individuum an der Grenze alles Soziale abzufallen, und es zeigt sich der nackte Mensch.
Wie können Schauspieler dergleichen darstellen? Kann der Körper tatsächlich zum Schauplatz einer solchen Krisis werden, ohne dass der Schauspieler sie wirklich erlebt, sondern spielt?
Der Band versammelt elf Studien zu Phänomenen der Grenzsituation im Film: zu der spezifischen Arbeit von Regisseuren mit Schauspielern, wenn es um die Darstellung von Grenzsituationen geht, und zu einzelnen Darstellungen.
Im Mittelpunkt der Analysen stehen Filme wie DAS PIANO, GLADIATOR, 1900, HANA BI, BROTHER, TOKYO DEKADENZ, SZENEN EINER EHE, PERFORMANCE, DER DIENER, BERLIN ALEXANDERPLATZ, POSSESSION, DIE NACHT IST JUNG, DER FREMDENLEGIONÄR und LOVERS. Das Spiel der Darsteller Isabelle Adjani, Takeshi Kitano, James Fox, Sophie Marceau, Russell Crowe, Denis Lavant, Élodie Bouchez, Liv Ullmann, Erland Josephson, Monica Vitti u.a. wird eingehend betrachtet.
Die Herausgeber Bernd Kiefer und Marcus Stiglegger lehren Filmwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und haben zahlreiche Beiträge zu Filmgeschichte und Filmästhetik veröffentlicht.

Zum Herausgeber Marcus Stiglegger

Marcus Stiglegger ist auch Autor des Gardez!-Bandes
"Sadiconazista. Faschismus und Sexualität im Film"
Außerdem ist er Herausgeber des Bandes
"Kino der Extreme. Kulturanalytische Studien"