Sandra Kühle
Remakes
Amerikanische Versionen europäischer Filme

1. Aufl. 2006. 336 S. Zahlreiche Abbildungen.
DIN A5. Broschur
EURO 29,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-178-4
Filmstudien. Herausgegeben v. Norbert Grob und
Thomas Koebner
. Band 52


Filme schöpfen ihre Motive und stilistischen Muster fortwährend aus anderen Filmen. Diese Selbstreferentialität reicht vom direkten Zitat über bloße Analogien in Story, Plot oder historischen Bezügen bis zur Hommage oder dem Plagiat.
Das Remake, definiert als Neuverfilmung eines bereits verfilmten Stoffes, ist ebenfalls eine Form der Selbstreferentialität. Die ersten Remakes lassen sich bis in die frühen Jahre der Filmgeschichte zurückverfolgen. Seit Mitte der 1980er Jahre herrscht jedoch ein regelrechter Remake-Boom, den vornehmlich die amerikanische Filmbranche erzeugt. Hauptlieferant ist dabei der europäische Film. Gemessen an Zuschauerzahlen und Einspielergebnissen schneiden die Neufassungen oft sogar profitabler ab als das Original. Und doch haftet dem Remake ein negativer Ruf an. Einen Film neu aufzulegen, gilt meist als einfallsloses Kopieren zum Zwecke simpler Profitsteigerung.
Unbestreitbar herrscht zwischen dem kreativen Niveau eines Originals und dem marktangepassten Remake häufig eine tiefe Kluft, doch gibt es nicht ebenso Filmbeispiele, die zeigen, dass Remakes künstlerisch durchaus mit ihrem filmischen Vorgänger mithalten können? Um diese Frage zu beantworten, untersucht die vorliegende Arbeit vier europäische Filme und ihre amerikanischen Versionen anhand detaillierter Strukturanalysen.
Das feinmaschige Untersuchungsnetz beginnt bei der Titelgestaltung, erstreckt sich über die narrative Struktur der Filme, die Art und Weise der Inszenierung und Montage, schließt Figurenkonstellationen, Charakterzeichnungen und Schauspielkunst ein, erörtert die Funktion von Kamera, Licht, Filmarchitektur, Dekor und Kostüm und untersucht die Filmmusik der unterschiedlichen Werke, um schließlich über kulturelle Muster und zeitgeschichtliche Bezüge zu reflektieren.
Während die untersuchten Neufassungen "The Man Who Knew Too Much", (A. Hitchcock) und "Some Like it Hot" (B. Wilder) im Vergleich zu ihren Vorgängern durch eine größere thematische Tiefe und viele visuelle Weiterentwicklungen überzeugen, fallen die US-Varianten - "The Vanishing" (G. Sluizer) und "Breathless" (J. McBride) gegen die Originale deutlich ab. Ihre technisch aufwändigere Gestaltung kann den Verlust erzählerischer Details nicht kompensieren, wenngleich McBrides Remake-Fassung zumindest zu einem eigenen Ausdruck findet und interessante gesellschaftliche Veränderungen zwischen der Entstehung des Original und des Remakes offenbart.
Mithilfe der Analyse-Ergebnisse spürt die Arbeit wiederkehrende Charakteristika amerikanischer Remakes auf, begründet Merkmale gelungener Neuverfilmungen und schlussfolgert, dass Remakes durch die bewusste Modifikation des Originals Geschichts- und Gesellschaftsbilder sowie filmästhetische Prozesse reflektieren, und damit eine elementare Zeitzeugenfunktion übernehmen können.

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