Karl Lieblich
Rausch und Finsternis
Novelle
Mit einem Nachwort von Reinhard Andress

1. Aufl. 2006. 152 Seiten. DIN A5. Broschur
EURO 18,00 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-174-6

Exklusiv über den Gardez! Verlag erhältlich.


Es ist das Jahr 1919, im Zuge der russischen Revolution liefern sich auf dem Gebiet der Ukraine deutsche und österreichische Besatzungsarmeen, ukrainische Nationalisten, anarchistische Bauernverbände und die Weißen und Roten Armeen erbitterte Kämpfe. Die dort lebenden Juden sehen sich als Sündenbock Anschuldigungen von allen Seiten und fürchterlichen Pogromen ausgesetzt. In diesen historischen Kontext ist Lieblichs Novelle eingebettet, wobei Geschichte gewissermaßen "von unten" erzählt wird. Lebensnah wirken Chajm Ginzburg, sein Sohn Michael oder dessen Geliebte Ludmilla Helfmann und ihre Liebesgeschichte. Lebendig wird die dunkle Mystik des jüdischen Glaubens. Lieblichs Text ergreift uns, unerbittlich jagen sich die Sätze, die die furchtbaren Ereignisse von damals einfangen.
Karl Lieblich, galizischer Abstammung, als Jude 1895 in Stuttgart geboren, 1984 dort gestorben, entfaltete seine vielseitige Persönlichkeit u.a. als Rechtsanwalt, Geschäftsmann, Journalist, Denker und Dichter. Seine ersten Gedichte und Novellen wurden von Bertolt Brecht und Thomas Mann anerkennend gelobt. Mit Vorträgen und Essays beteiligte er sich an der Debatte um das jüdische Selbstverständnis im Deutschland der frühen dreißiger Jahre. Doch dann zwang ihn der Nationalsozialismus 1937 ins brasilianische Exil, aus dem er zwar 1959 nach Deutschland zurückkehrte, von dem er sich aber nie schriftstellerisch erholen konnte. Angeregt durch den Pariser Gerichtsprozess, in dem Samuel Schwarzbart angeklagt wurde, Simon Petljura als Hauptverantwortlichen für die Judenpogrome nach dem Ersten Weltkrieg in der Ukraine erschossen zu haben, schrieb Lieblich 1927-28 "Rausch und Finsternis" nieder. Damals fand die Novelle keinen Verlag mehr und erscheint hier zum ersten Mal.

Zum Herausgeber Reinhard Andress