Eberhard Nembach
Stalins Filmpolitik
Der Umbau der sowjetischen Filmindustrie 1929 bis 1938

1. Aufl. 2001. Ca. 300 S. DIN A5. Broschur
EURO 24,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-052-7
Filmstudien. Herausgegeben v. Thomas Koebner.


Gut ein Jahrzehnt brauchten die Bolschewiki, um das Kino zu ihrem wichtigsten Propaganda-Medium zu machen. Nach einer relativ liberalen Phase unmittelbar nach der Oktoberrevolution und in den zwanziger Jahren ließ Stalin die Filmindustrie ab 1929 verstaatlichen und von einer eigens eingerichteten Behörde kontrollieren. Regisseure und Produzenten mussten sich den Vorgaben von Funktionären unterordnen, die ihnen im direkten Auftrag Stalins Unterhaltungsfilme für die Massen abverlangten. Die Sowjetbürger sollten im Kino nicht nur finstere "Volksfeinde" sehen, die angeblich für alle Missstände verantwortlich waren. Komödien und Musicals sollten ihnen vielmehr das Gefühl vermitteln, dass es ihnen doch eigentlich gut ging. Deshalb wurden die Leinwände mit glücklichen Traktorfahrern, singenden Viehhirten oder politisierenden Näherinnen bevölkert. Die meisten Filme hatten Gesangs- und Tanz-Einlagen, ein Happy End, eine schöne Liebesgeschichte und immer häufiger Auftritte von 'Stalin selbst', der von verschiedenen Schauspielern dargestellt wurde. Stalin mochte die neuen Musical-Komödien. Dennoch setzte er die gesamte Führung der Filmindustrie 1939 ab - offenbar, weil sie zu unabhängig agierte. Danach regierte ein KGB-Offizier das Kino. Es dauerte Jahre, bis wieder so fröhliche Filme gedreht wurden, wie in den Dreißigern. Musicals aus dieser Zeit - wie "Die fröhlichen Gesellen" oder "Die reiche Braut" - sind bis heute in Russland überaus populäre Klassiker, die für Jahrzehnte stilbildend gewirkt haben.

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