Zeljko Pavic
Hegels Idee einer logischen Hermeneutik
Die Selbstauslegung des Absoluten in der sichtbaren
Unsichtbarkeit der Sprache

1. Aufl. 2003. 264 Seiten. DIN A5. Broschur
EURO 29,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN
978-3-89796-115-9
Hermeneutik im Gardez! Hrsg. v. Erwin Hufnagel u. Jure Zovko. Band 3


Das Phänomen der Sprache wird bei Hegel nicht systematisch, sondern wesentlich phänomenologisch betrachtet. Das bedeutet, dass die Sprache in dem System Hegels keine konstituierende Rolle spielt, sondern auf die Vorstufen des sichbegreifenden Begriffs erscheint. Schon in Frühen Schriften zeigt sich starke, schon auf Paulinische Tradition beruhende und bei F. Schlegel entwickelte Tendenz auf den Geist gegen die Sprache, was Hegel zu seinem sozusagen "systematischen" Ziel macht: Wo der Geist zur Existenz kommt, da muss die Sprache verschwinden. Und in der Tat betrachtet Hegel die Sprache als ein existierendes Verschwinden, dessen Existenz gerade darin besteht, durch das Aussprechen des Geistigen es selbst zur Entfremdung, zur Andersheit zu bringen, und damit zugleich ihre eigene Existenz aufzuheben. Darin liegt auch die "ungeheure Macht" der Sprache: sie hat "göttliche Natur", das Wesentliche in seinen Gegensatz umzukehren, wobei es selbst durch die Sprache zweifach existiert: als es selbst und als sein Gegensatz. Ohne diese Macht der Sprache wäre die Selbstbewegung des Geistes als das sichbegreifende Begreifen unmöglich.
Das zeigt jede Stufe der Phänomenologie des Geistes auf, und deshalb ist diese phänomenologische Rolle der Sprache viel wichtiger als diejenige, die Hegel der Sprache z.B. in der Enzyklopädie der Philosophischen Wissenschaften zuweist. Dort fungiert die Sprache als ein Zeichensystem, obwohl Hegel dort ihrer Wichtigkeit als die Mutter- und Volkssprache bewusst ist. Sie ist aber trotzdem ein "willkürlicher" Produkt der theoretischen Intelligenz und das "erste Majestätsrecht" des Geistes, sich vom Anderen abzuheben und unterscheiden, um es als das Seine zu begreifen und aufzuheben. Diese geistige Bewältigung der Wirklichkeit geht aber nicht ohne Sprache: schon in Jenaer Systementwürfe ist sie "erste Potenz" des Bewusstseins, durch die es, früher als sie arbeitet, die Andersheit des Andersseins aufhebt und zugleich dem Geist es ermöglicht, das Verhältnis zu Anderem in "seinem" Produkt, in der Sprache, herzustellen.
Und nachdem der Geist die ganze Wirklichkeit als seine erkannt und begriffen hat, treibt er nur noch ein Monolog mit sich selbst, er spricht sich selbst durch diese Wirklichkeit, dass er sie ist oder das sie er ist. Vor diesem Monolog muss die Sprache verstummen, weil er nicht imstande ist, das Geistige geistig auszudrücken. Der absolute Anfang der Logik, der nur mit dem sich selbst anfängt, hat alles Vorlogische hinter sich, d.h. auch die Sprache. Sie bleibt eine Hülle, die das Unsichtbare zu einem solchem Sichtbaren wird, dass es sich selbst nicht mehr sichtbar ist. Und eben deshalb muss die Sprache verschwinden und durch dieses Verschwinden Geburt des Begriffes aus ihm selbst zu ermöglichen, was die Aufgabe einer Wissenschaft des sichselbstauslegenden Begriffs, der Wissenschaft der Logik, die wir nun als eine Hermeneutik des Absoluten verstehen können, das nun nur mit seinem Gleichen zu tun hat.

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