Stefan Schultes
Faszination des Bösen
Orson Welles' Filme in Hollywood

1. Aufl. 2007. 512 S. Zahlreiche Abbildungen.
DIN A5. Broschur
EURO 39,90 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-181-4
Filmstudien. Hrsg. von Norbert Grob u. Thomas Koebner. Band 54


Die Filme von Orson Welles erschaffen in oft verstörender Wucht eine bestechend autonome Bilder-Welt. Es ist eine labyrinthische, aus den Fugen geratene Alptraumwelt, gekennzeichnet durch Orientierungslosigkeit und Destabilisierung, in der vor allem durch die Präsenz der verführerischen wie zerstörerischen Kraft des Bösen eine klare Trennung zwischen Gut und Böse nicht mehr funktioniert: Die scheinbar "Guten" werden ebenso in Schuld verstrickt, wie sich im Bösen auch immer das Menschliche offenbart. Eindeutige Urteile werden verweigert, vermeintlich gesicherte moralische Werte ihrer Ambivalenz überführt.
"Faszination des Bösen" liefert in detaillierten Filmanalysen einen umfassenden Überblick über Welles' Hollywood-Zeit, sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch in bezug auf seine Position innerhalb der amerikanischen Filmindustrie, die entscheidend für den Torso-Charakter seines Werkes verantwortlich ist. Welles' Filmästhetik (die komplexe audio-visuelle Signatur, typische Grundmuster in Dramaturgie und Figurenkonzeption, dominierende Themen und Motive, Manipulationen von Raum und Zeit etc.), die jedem seiner Filme ihren unverwechselbaren Stempel aufdrückt, gerät also ebenso ins Blickfeld wie seine spezifische Arbeitsweise, die von Anfang an vom Selbstverständnis eines unabhängigen Filmemachers geprägt ist. Autonome Regiepersönlichkeit contra Studiosystem: Welles war ein Autorenfilmer, schon lange bevor dieser Begriff überhaupt erst aufkam.

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