Karsten Treber
Auf Abwegen
Episodisches Erzählen im Film

1. Aufl. 2005. 388 S. Zahlreiche Abbildungen. DIN A5. Broschur
EURO 29,95
ISBN 978-3-89796-159-3
Filmstudien. Herausgegeben v. Thomas Koebner. Band 42

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Der Titel ist vergriffen.


Ein junger Mann mit Violinenkoffer erschießt eine beliebte Countrysängerin, und keiner weiß warum … ein Toaster gibt einem alternden Boxer das Signal zur Exekution des ihn verfolgenden Profikillers, und keiner verliert ein Wort dabei … im Arcade Hotel fällt ein Schuss, und keinen stört es weiter: Das Tragische und Exzessive paart sich in skurrilen Ereignisketten mit dem Trivialen und Undurchschaubaren zu ganz 'alltäglichen' Begegnungen, in denen sich das 'Katastrophenpotenzial' menschlicher Nähe vollends entfaltet. Egos kollidieren, Familien kollabieren. Episodisches Erzählen zeugt im Ton einer mal grausamen, mal erheiternden Ironie von verfehlter Kommunikation, menschlicher Entfremdung und 'unbekümmert-heilsamer' Gleichgültigkeit und offenbart damit das soziale Miteinander der Figuren als flüchtiges Nebeneinander in 'unerreichbarer Reichweite'.
Episodisch erzählte Geschichten sind gewollte Abschweifungen und Entgleisungen, die durch die 'Fluchtbewegungen' der Kamera ein dezentriertes Weltbild vermitteln, in dem die Figuren und ihr Handeln ein umfassendes Netz von wechselseitigen Einflüssen und zufälligen Verstrickungen bilden. Wo bleibt der Blick für das 'Wesentliche', wo die psychologische Tiefe des klassischen Erzählkinos? Der episodische Protagonist ist nur einer unter vielen, das 'Wesentliche' für jeden etwas anderes im karnevalesken Treiben von Suchenden und Verlorenen. Das menschliche Leben erscheint im dynamischen Beziehungsgeflecht unzähliger gleichberechtigter Variablen als eine vom Einzelnen kaum kontrollierbare 'Gemeinschaftsproduktion'.
Auf der Suche nach narrativen 'Synchronspuren' in der 'Maßlosigkeit' und 'Unordnung' des episodischen Erzählens verlässt "Auf Abwegen" die geraden, ausgetretenen Straßen des Wahrscheinlichen und führt über die gewundenen Pfade des Möglichen von SHORT CUTS, PULP FICTION, BEFORE THE RAIN, MAGNOLIA zu TRAFFIC sowie vielen anderen Filmen und spannt dabei einen Bogen vom 'Treibhaus' der Konflikte in frühen episodischen Produktionen wie GRAND HOTEL bis hin zum digitalen, selbstreflexiven Planspiel von TIME CODE.

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