Gabriele Weyand
Der Visionär: Francis Ford Coppola und seine Filme

1. Aufl. 2000. 340 S. Zahlreiche Abbildungen. DIN A 5. Broschur
EURO 29,95 (unverbindliche Preisempfehlung)
ISBN 978-3-89796-033-6
Filmstudien. Herausgegeben v. Thomas Koebner. Band 16


"Der Visionär: Francis Ford Coppola und seine Filme" ist eine Werkmonographie, die das zwanzig Filme umfassende Gesamtwerk des Regisseurs in chronologischer Reihenfolge untersucht. Die einzelnen Betrachtungen konzentrieren sich auf den jeweiligen Film, werfen einen kurzen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Projekts, um sich nach einer knappen Inhaltsangabe ausführlich dem Thema und der Form des Films zu widmen. Zudem wird versucht, filmübergreifende Entwicklungstendenzen herauszuarbeiten und den einzelnen Film in das Gesamtwerk einzuordnen. Die Einzelanalyse wird durch die Betrachtung einer Auswahl von amerikanischen wie deutschen Premierenkritiken abgerundet. Wichtige Elemente und Komponenten in Coppolas Werk werden herausgehoben. Besonders fällt die experimentelle Ästhetik auf, die die Filme des Regisseurs wie ein roter Faden durchzieht. Im Widerspruch zum ersten Eindruck entpuppt sich Coppola bei näherer Betrachtung nämlich als äußerst artifiziell verfahrender Künstler. Seine radikalsten avantgardistischen Experimente wie "One From the Heart" und "Rumble Fish" stießen bei der zeitgenössischen Kritik auf Unverständnis. Hier wird der allgemeine Tenor der Meinungen zurückgewiesen, es handele sich bei den Filmen um substanzloses Spektakel. Die Bilder sind bei Coppola häufig von halluzinatorischer, traumhafter Qualität und vermitteln ihre Aussage durch symbolische Darstellung. Die Familie ist eines der Kernmotive in Coppolas Filmen. Auffällig ist, wie konservativ er mit diesem Themenkomplex umgeht. Frauenfiguren erscheinen zumeist nur als Randfiguren, und die seltenen Emanzipationsversuche werden im Kein erstickt, beispielsweise in "The Rain People". Dem gegenüber steht eine ausgeprägte formale Abenteuerlust und Experimentierfreude, eine extreme Offenheit gegenüber technischen Neuerungen. Ein weiteres Kernmotiv in Coppolas Filmen sind Figuren, die dem Themenkreis der existentialistischen Moderne entnommen scheinen. Michael Corleone, Harry Caul, selbst Dracula: Sie alle sind einsame Helden, zum Scheitern verurteilt. In der kunstvollen Gestaltung von Raum, Ausstattung, Licht, Farbe und Ton und der geschickten Führung der Darsteller schafft Coppola 'energiegeladene' Bilder, die sich zu einem eigenen filmischen Kosmos zusammenschließen.

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